Jahresrückblick DBB-Damen 2020

29.Dezember 2020

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Zwei wichtige Siege auf dem Weg zur EuroBasket Women 2021

Die Anzahl der Jahresrückblicke ist bei uns in diesem Jahr leider sehr überschaubar. Lediglich die Damen- und die Herren-Nationalmannschaft absolvierten im Jahr 2020 Länderspiele, während alle Nachwuchs-Nationalmannschaften sowie die DBB-3×3-Teams wegen der Corona-Pandemie ohne internationale Auftritte blieben. Trotzdem möchten wir natürlich nicht ganz auf die Jahresrückblicke verzichten. Heute beginnen wir mit den DBB-Damen.

Da gab es zunächst einen neuen Headcoach zu verkünden. Und das war nicht irgendwer, sondern ein aktiver Headcoach aus der nordamerikanischen Profiliga WNBA, in der auch die beiden Deutschen Marie Gülich (Los Angeles Sparks) und Satou Sabally (Dallas Wings) aktiv sind. Walt Hopkins von den New York Liberty stieß gemeinsam mit Assistant Coach Dustin Gray zur Damen-Nationalmannschaft und brachte eine Menge frischen Wind mit nach Deutschland.

Viel Zeit, das Team auf die wichtigen EM-Qualifikationsspiele gegen Lettland und Nordmazedonien – beide in der „Bubble“ in Riga – vorzubereiten, blieb dem Coaching Staff, der zudem noch aus Sidney Parsons und Stefan Mienack bestand, nicht. Es versammelte sich ein deutsches Team, das auf die mit dem Coronavirus infizierte Satou Sabally verzichten musste. Nach den notwendigen Coronatests konnte noch ein erstes Training auf deutschem Boden durchgeführt werden, ehe es im Flieger in die lettische Hauptstadt ging. In der dortigen „Blase“ gab es dann eine knappe Woche lang nicht mehr zu sehen als Hotel, Bus, Trainings- und Spielhalle.

Voller Konzentration und Motivation gingen alle Beteiligten die schwierige Aufgabe an. Die Trainingseinheiten wurden intensivst genutzt, es herrschte eine Art positiver Aufbruchstimmung. Gleich der ersten Partie kam eine enorme Bedeutung zu, denn auch die Lettinnen hatten sich auf eigenem Boden so einiges vorgenommen. Auf Fans mussten sie allerdings verzichten. Am Ende hieß es nach verbissenem Kampf 73:67 (13:20, 13:12, 21:16, 26:19) für Deutschland. Bis der ersehnte Erfolg feststand, gab es allerdings einige Hürden zu überwinden.

Das DBB-Team agierte anfangs nervös. Es war früh ein sehr intensives Spiel, in dem die Lettinnen eine Spur aggressiver und sicherer auftraten (7:12, 6.). Die Verteidigung der gegnerischen Dreier passte noch nicht, Deutschland drohte den Anschluss etwas zu verlieren (7:16, 7.). Laura Hebecker, Svenja Brunckhorst und Ama Degbeon hielten ihr Team aber mit wichtigen Punkten im Spiel (13:18, 9., Auszeit Lettland). Lettland agierte ebenfalls alles andere als fehlerfrei und wurde von einer meist gut stehenden DBB-Defense wirksam bekämpft. Das Problem lag bis dahin eher in der Offensive (17:23, 13.). Die Partie blieb offen (24:27, 18.), bis zum Seitenwechsel änderte sich daran nicht viel (26:32), Es war eine reine Kampfpartie, die von der Bedeutung für beide Teams lebte.

Nach der Pause erwischten die Gastgeberinnen wieder den besseren Start (27:37, 23.), man musste ernsthaft um die deutsche Mannschaft bangen. Zu viele einfache Chancen wurden in dieser Phase nicht genutzt. Doch die DBB-Auswahl kam Punkt für Punkt näher heran und Lettland wackelte nach einem Dreier von Ama Degbeon (45:46, 29.). Die in der Folge kaum noch zu stoppende Marie Gülich besorgte zu Beginn der Schlussviertels die deutsche Führung. Es blieb ein Spiel auf des Messers Schneide. Unter den Brettern dominierte Deutschland auch mit Luisa Geiselsöder (re.) jetzt eindeutig, entschieden war aber noch nichts (61:57, 37.). Nur noch 67:65 hieß es nach einem Distanztreffer der Gastgeberinnen (39.). Aber Fiebich erzielte zehn Sekunden vor dem Ende mit einem starken Drive das 71:67, die Entscheidung war gefallen.

Der neuen Bundestrainer war erleichtert: „Ich kann nicht in Worten ausdrücken, wie stolz ich auf diese Mannschaft bin. Sie hat soviel Herz und Zusammengehörigkeitsgefühl, das ist extrem beeindruckend. Die Einstellung ist einfach überragend. Wir haben uns auch durch den schwachen Start nicht irritieren lassen und am Ende dadurch gewonnen, dass wir unsere Bigs gut eingesetzt haben.“

In die zweite Begegnung ging das DBB-Team favorisiert, auch wenn Nordmazedonien nicht mehr viel mit dem Team gemein hatte, das sich im Hinspiel in Nördlingen überdeutlich mit 40:105 geschlagen geben musste. Verstärkt durch WNBA-Star Dewanna Bonner sowie Playmakerin Andzelika Mitrasinovik hatte der Gegner schon Kroatien größere Probleme bereitet. Trotzdem kam es zum 74:59 (17:13, 12:20, 21:14, 24:12)-Erfolg für Deutschland durch zwei starke Viertel nach der Pause.

Zwei Dreier von Laura Hebecker (li.), Lay-ups von Svenja Brunckhorst und Leonie Fiebich, ein Dreier von Svenja Greinacher und starke Defense … nach knapp vier Minuten war ein guter Start gelungen (13:5). Das DBB-Team hielt anschließend zwar den Druck in der Defense konstant hoch, nutzte vorne die Chancen aber nicht hochprozentig genug. Abschütteln ließ sich der Gegner so nicht (17:13, 8.). Hebeckers dritter Dreier kam zwar genau zum richtigen Zeitpunkt (20:15, 11.), aber Mitrasinovik war kaum zu stoppen und hatte bis dato bereits 13 Punkte erzielt (21:18, 12.). Die DBB-Auswahl tat sich weiterhin enorm schwer (21:21, Dreier Mitrasinovik, 21:23, Bonner, 14.). Mehrmals wechselte jetzt die Führung in einer hektischen Partie (29:28, 18.). Zur Pause (29:33) musste man um das Hopkins-Team bangen.

Nach dem Seitenwechsel war die Verunsicherung im deutschen Team zunächst auch weiterhin zu spüren. Dann schaffte die DBB-Auswahl das 41:36 nach 25 Minuten. „Hebecker on fire“ war anschließend die Untertreibung schlechthin, denn mit ihrem sechsten Dreier brachte sie ihr Team weiter auf die Siegesstraße (46:38, 26.). Dann meldete sich die lange untergetauchte Mitrasinovik zurück und brachte ihr Team per Dreier-„and one“ auf 48:45 heran (29.). Nach 30 Minuten hatte der Krimi Bestand (50:47). Der Doppel-Dreier von Fiebich nach 31 Minuten zum 57:49 wurde wieder von Nordmazedonien aus der Distanz beantwortet, es gab einfach kein Durchatmen. Das DBB-Team verpasste es, den Deckel draufzumachen, bis Fiebichs vierter und fünfter sowie Hebeckers siebter Dreier das 74:59 bedeuteten.

Walt Hopkins meinte anschließend: „Nordmazedonien hat uns heute für jeden einzelnen Punkt hart arbeiten lassen. Wir hatten defensiv einen guten game plan. Es ist die eine Sache, ein Spiel als vermeintlicher Underdog zu gewinnen. Heute waren wir der Favorit und haben auch dieses Spiel gewonnen. Wir sind in einem Prozess und haben noch ganz, ganz viel zu tun. Aber ist bin stolz darauf, dass das Team heute einen Weg gefunden hat das Spiel zu gewinnen. Das war ein weiterer kleiner Schritt auf unserem Weg.“

Für Deutschland spielten: Marie Gülich (Valencia Basket/ESP, 18 vs  LAT/10 vs MKD/28 ges.), Jennifer Crowder (flippo Baskets BG 74 Göttingen, 2/2/4), Laura Hebecker (TSV 1880 Wasserburg, 10/21/31), Leonie Fiebich (TSV 1880 Wasserburg, 7/19/26), Sonja Greinacher (Arka Gdynia/POL, 4/9/13), Luisa Geiselsöder (Landerneau Bretagne Basket/FRA, 20/2/22), Alina Hartmann (CB ISLAS CANARIAS/ESP, dnp), Svenja Brunckhorst (TSV 1880 Wasserburg, 5/2/7), Lina Sontag (TuS Lichterfelde, 0/dnp), Ama Degbeon (A3 Basket Umea/SWE, 7/7/14), Anneke Schlüter (XCYDE Angels Nördlingen, 0/0),  Emma Stach (A3 Basket Umea/SWE, 0/2/2).